Synergien im Kulturbereich

Pellengahr webSeit 1. Januar 2012 leitet Astrid Pellengahr die Kulturabteilung der Stadt Kaufbeuren und damit untersteht ihr auch die Geschäftsstelle des Kulturrings. Sichtbar ist dies im November mit dem Umzug der Geschäftsstelle in die neuen Räume des Stadtmuseums. Wir sprachen mit ihr über ihre Arbeit:

 

Sie haben mit Beginn des Jahres die Leitung der Abteilung Kultur der Stadt Kaufbeuren übernommen. Ein neue Herausforderung?

Ja, eine sehr schöne Herausforderung. Denn verbunden mit der Umstrukturierung der Kulturverwaltung ist das Anliegen der Stadt im Kulturbereich neue Akzente zu setzen. Dabei können wir auf die bewährten Strukturen, die das in der Kaufbeurer Kulturszene geschätzte Team der Kulturföderung in den letzten zehn Jahren aufgebaut hat, zurückgreifen. Bewährte Strukturen sind wichtig, aber Kultur muss “knistern”, so wie eine Theateraufführung, die die Besucher in ihren Bann zieht. Um zu erfahren, welche Angebote und Veränderungen sich die Kaufbeurer Bürgerinnen und Bürger aber auch die Kulturschaffenden wünschen, läuft ja gerade eine Umfrage, die unter http://www.kaufbeuren.de/portaldata/1/Resources/leben/kultur/pdf/Fragebogen_Kulturstadt.pdf auch online ausgefüllt werden kann.

Mit der Eröffnung des Stadtmuseums wird nicht nur die Museumsszene in Kaufbeuren ein bißchen mehr zusammenwachsen. Ist das eines Ihrer Ziele?

Eines meiner großen Anliegen ist es, möglichst viele Synergien im Kulturbereich zu schaffen. Gegenseitige Konkurrenz im Museumsbereich etwa, ist bei der Größe unserer Stadt meiner Meinung nach nicht angemessen. Mein Bestreben ist also, mit den Kolleginnen und Kollegen der anderen fünf Museen und Ausstellungsseinrichtungen die Programme abzustimmen und gemeinsame Projekte wie die Einführung eines Audioguides oder einer gemeinsamen Museumspädagogik in die Diskussion zu bringen und solche Projekte voranzutreiben. Das Stadtmuseum arbeitet schon heute eng mit dem Heimatverein, dem Freundeskreis Sophie-La-Roche, dem Kulturring und der Kulturwerkstatt zusammen. Für Veranstaltungen wie den literarischen Salon “Pomona”, Vorträge oder Konzerte steht das Stadtmuseum als Kooperationspartner immer gerne zur Verfügung. Mit der Kulturwerkstatt zusammen arbeiten wir zur Zeit eine eigene Figur heraus, die künftig Führungen für Kinder im Stadtmuseum anbietet: eine Zeitreisende. 

Wo sehen Sie in den nächsten Jahren - abgesehen vom Stadtmuseum - die Schwerpunkte Ihrer Arbeit?

Kaufbeuren hat im Kulturbereich viel Potential, es mangelt aber an einem klaren Profil der Stadt im Kulturbereich. Damit soll Kultur nicht eindimensional werden, denn gerade die Kultur lebt von der Vielfalt. Oft ist die Klage zu hören, in Kaufbeuren sei im Kulturbereich nichts los. Das stimmt so nicht. Wenn wir aber beispielsweise den Bereich Theater anschauen, ist die Vielzahl und Bandbreite des Theaterlebens in unserer Stadt nicht deutlich wahrnehmbar, da es kein Gesamtprogramm für diese Sparte gibt. Ein wichtige Aufgabe wird es sicher auch sein, die vom Stadtrat angeregte Teilsanierung des Stadttheaters zu begleiten. Kaufbeuren hat hier ein Kleinod, das vielleicht auch erst wieder ins Bewußtsein der Bevölkerung gehoben werden muss. Das Thema “Baustelle” gehört also konkret wie im übertragenen Sinn zu meinen künftigen Aufgaben.

Musik, Theater, Ausstellung... Wie empfinden Sie persönlich das Angebot vom Kulturring?

Das Programm des Kulturrings ist breit aufgestellt und wartet immer wieder mit international bekannten Größen auf. Vor allem die Konzerte und Aufführungen im Stadttheater haben für mich einen großen Reiz – wo kann ich schon für derart erschwingliche Eintrittskartenpreise den Künstlern so nah sein. Wo bei uns in Kaufbeuren das Parkett endet, fängt in München im Herkulessaal die Bestuhlung schließlich erst an. Gänsehaut ist also im Kaufbeurer Stadttheater quasi im Preis inbegriffen. Wünschen würde ich mir persönlich neue Formate wie Figurentheater, ein Musikangebot, das auch mal Unbekanntes zu Gehör bringt und vor allem in der Sparte Musik mehr Angebote für Kinder und Familien.

 [veröffentlicht in den Kulturnachrichten 4/2012]