Stadttheater Geschichte

stadttheater vorhang1804 gründeten etwa 30 theaterbegeisterte Kaufbeurer Bürger die „Dramatische Liebhabergesellschaft“. Als Spielstätte erwarben sie am 18. Januar 1805 das ehemalige Gerätehaus der Stadt im Rosental und bauten es zu einem Theater aus. Ein besonders Juwel ist der bis heute verwendete Bühnenvorhang, den der Hoftheatermaler Joseph Hungermüller (1777-1820) aus München 1805 auf drei Querbahnen feingewebter Leinwand in Harzölfarbe malte. Zu den namhaftesten Mitgliedern und Förderern zählten Johann Georg Heinzelmann, Georg Jakob Wagenseil, Karl Jakob Stecher, Johann Melchior Elch, Johann Christoph Meyer, Christoph Friedrich Heinzelmann, Christoph Daniel Walch, Johann David Schäfer und Johann Jakob Hörmann von und zu Gutenberg. Bereits am 26. Dezember 1805 wurde das Theater mit der Aufführung von August von Kotzebues romantischem Gemälde „Johanna von Montfaucon“ unter größter Anteilnahme der Bevölkerung feierlich eröffnet.

Als die „Dramatische Liebhabergesellschaft“ zwei Jahrzehnte später in finanzielle Schwierigkeiten geriet, erwarben Christoph Daniel Walch, Christoph Friedrich Heinzelmann und Georg Jakob Wagenseil durch Vertrag vom 25. Mai 1832 das Theater samt Einrichtung.

Nach dem Tode von Heinzelmann und Wagenseil bot Walch 1847 das Theater der Stadt Kaufbeuren zum Kauf an. Sowohl der Magistrat der Stadt als auch das Kollegium der Gemeindebevollmächtigten befürworteten die Übernahme und stellten auch die nötigen finanziellen Mittel zur Verfügung, allein die königl. Regierung von Schwaben und Neuburg dagegen verweigerte die notwendige Genehmigung. Erst 1862, Kempten, Kaufbeuren, Memmigen und Lindau die Grundlagen für das Landestheater Schwaben legten, welches die Bühnen in allen vier Städten bespielen sollte, stimmt die Regierung zu. So erwarb die Stadt Kaufbeuren mit dem Vertrag vom 14. Oktober 1862 das Gebäude unter der ausdrücklichen Bedingung, dass „das Gebäude, solange die hiesige Stadtkommune nicht allenfalls ein anderes Theatergebäude hergestellt haben wird, fortwährend als städtisches Theater zum Zwecke von theatralischen Vorstellungen beibehalten werden muss.“

Bereits 1866 (- 1868) wurde das Theater renoviert, mit einer modernen Gasbeleuchtung ausgestattet sowie mit Logen und Galerien ausgestattet. 1901/02 sowie 1907 wurde der Schnürboden erneuert, die Bühneneinrichtung modernisiert sowie Notausgänge eingebaut. 1924/24 schließlich wurde eine Zentralheizung eingebaut, der Orchestergraben erweitert und der Innenraum neu gestaltet.

Als 1970/71 das Kaufbeurer Rathaus erweitert wurde, wurde in diese Baumaßnahme auch das Stadttheater einbezogen: neben einem Verbindungstrakt zwischen Theater und Eingangshalle des Rathauses, wurde ein neues Treppenhaus sowie ein großzügiges Foyer mit Garderoben und Toilettenanlagen errichtet. Die Firma Swarowski fertigte aus 20.934 Einzelteilen den Theaterlüster mit einem Durchmesser von 150 cm und einem Gewicht von 82 kg.

(nach: Weikmann, Meinrad: Kaufbeuren und sein Theater. Kaufbeuren o.J. [ca. 1971])